Lebenshilfe Main-Taunus feiert 40 Jahre Frühförderung
28.10.2026
28.10.2026
Über 700.000 Stunden Engagement, unzählige gefahrene Kilometer und Tausende Familien, die Beratung, Begleitung und Unterstützung erfahren haben: Das sind 40 Jahre Frühförderung im Main-Taunus-Kreis. Hinter diesen Zahlen stehen vor allem persönliche Geschichten – von Kindern, die ihre Fähigkeiten entdecken, von Eltern, die neue Zuversicht gewinnen, und von Menschen, die ihnen verlässlich zur Seite stehen.
Am 28. Oktober 2026 würdigte die Lebenshilfe Main-Taunus diese Arbeit mit einer Fest- und Fachveranstaltung im Landratsamt in Hofheim.
Wie nachhaltig Frühförderung das Leben einer Familie prägen kann, verdeutlicht ein Satz aus dem Programmheft: „Ihr wart der Schlüssel zu unserer Lebenstür.“ Die Worte stammen von Karin Schleith, Ehrenvorsitzende der Lebenshilfe Main-Taunus. Ihre Tochter war vier Jahre alt, als die Lebenshilfe 1986 die Trägerschaft der Frühförderstelle übernahm. Ein von der Frühförderstelle initiiertes Schwimmangebot wurde damals zum Ausgangspunkt einer langjährigen Verbundenheit. Rückblickend beschreibt Schleith die Verbindung zur Lebenshilfe als ausschlaggebend dafür, dass sie das Leben mit ihrer Tochter meistern konnte.
Auch Geschäftsführer Oliver Knuf stellte in seiner Begrüßung das Engagement für jedes einzelne Kind und jede einzelne Familie in den Mittelpunkt. Er dankte den heutigen und ehemaligen Kolleg*innen, die die Frühförderung über vier Jahrzehnte geprägt haben. Mit der Übernahme und dem Ausbau der Frühförderstelle entstand für Familien im Main-Taunus-Kreis ein wohnortnahes Angebot: Die Fachkräfte kamen zu ihnen nach Hause, boten individuelle Unterstützung und wurden zu verlässlichen Ansprechpartnerinnen bei Fragen zur kindlichen Entwicklung.
Madlen Overdick, Erste Kreisbeigeordnete sowie Sozial- und Gesundheitsdezernentin des Main-Taunus-Kreises, würdigte die Frühförderung als wichtige und verlässliche Partnerin. Familien bräuchten Unterstützung, die frühzeitig, wohnortnah und ohne unnötige Hürden erreichbar sei. Wie groß der Bedarf ist, verdeutlichte sie anhand aktueller Zahlen: Rund 200 Kinder hatten im Jahr 2026 bis zum Zeitpunkt der Veranstaltung bereits Angebote der Frühförderung wahrgenommen oder wurden weiterhin begleitet. Besonders hob Overdick die Zusammenarbeit mit therapeutischen Fachkräften, Kindertagesstätten und dem Kinder- und Jugendärztlichen Dienst hervor – auch beim Übergang in die Schule.
Ein digitales Grußwort steuerte Hofheims Bürgermeister Wilhelm Schultze bei. Er dankte für die Unterstützung der Kinder und ihrer Familien und würdigte das Kinder- und Kompetenzzentrum in Hofheim, das seit neun Jahren die zentrale Anlaufstelle der Frühförderung ist. Persönlich zu Gast waren außerdem die Bürgermeister Adnan Shaikh aus Eschborn und Albrecht Kündiger aus Kelkheim. Ihre Teilnahme und das Grußwort aus Hofheim unterstrichen die enge Zusammenarbeit der Lebenshilfe mit den Kommunen im Main-Taunus-Kreis.
Diese langjährigen Verbindungen sind eine wichtige Grundlage, um Familien vor Ort zu erreichen, Angebote gemeinsam weiterzuentwickeln und die Teilhabe von Kindern mit Behinderung zu stärken.
Das Leitungsteam der Frühförderstelle, Iris Möller und Hildegard Mook, nahm die Gäste mit auf eine Reise durch vier Jahrzehnte. Aus einem kleinen Angebot mit zunächst eineinhalb Stellen entwickelte sich eine interdisziplinäre Frühförderstelle mit heute 16 pädagogischen Mitarbeiterinnen und einer Verwaltungskraft. Viele ehemalige Kolleginnen waren gekommen, darunter Mitarbeiterinnen der ersten Stunde und die langjährige Leiterin Gabi Fröhlich.
Der Rückblick zeigte zugleich: Fragen zum Spielen und Lernen, zur Sprache, zu Bindung und zur Begleitung belasteter Kinder sind bis heute aktuell. Gleichzeitig sind neue Herausforderungen hinzugekommen. Dazu gehört auch die kultursensible Zusammenarbeit mit Familien. Die Frühförderstelle begleitet derzeit Kinder aus rund 40 Nationen.
Diesem Thema widmete sich der Fachvortrag von Lena Suna Hirner, Erziehungswissenschaftlerin und systemisch-interkultureller Therapeutin im Lernplanet Wiesbaden. Unter dem Titel „Aspekte einer wertschätzenden interkulturellen Zusammenarbeit mit Familien von Kindern mit Beeinträchtigungen“ rückte sie eine respektvolle, ressourcenorientierte Haltung in den Mittelpunkt. Unterschiedliche Erfahrungen und Vorstellungen von Erziehung sowie mögliche Sprachbarrieren machen es besonders wichtig, zuzuhören, Vertrauen aufzubauen und gemeinsam passende Unterstützung zu entwickeln.
Bei Fingerfood und Getränken im Foyer klang der Abend mit persönlichen Begegnungen und fachlichem Austausch aus.
Wir danken allen heutigen und ehemaligen Kolleginnen, Kooperationspartnerinnen und Unterstützer*innen, die 40 Jahre Frühförderung im Main-Taunus-Kreis ermöglicht und mitgestaltet haben. Unser besonderer Dank gilt dem Leitungsteam Iris Möller und Hildegard Mook sowie dem gesamten Team der Frühförderstelle. Ebenso danken wir Lena Suna Hirner für ihren Fachvortrag, dem Main-Taunus-Kreis für die Gastfreundschaft und allen Gästen, die dieses Jubiläum mit uns gefeiert haben.