Vom Garten der Villa Luce bis nach Tokio: 33 Jahre Sommerwerkstatt – Vernissage in Darmstadt

27.10.2026

Es begann 1993 im Garten der Villa Luce. Heute blickt die Sommerwerkstatt auf 33 Jahre voller Kreativität, Begegnungen und gemeinsamer Erlebnisse zurück. Mit der Ausstellung „Unsere Zeit mit der Kunst – 33 Jahre Sommerwerkstatt Villa Luce“ wird diese Geschichte nun in Darmstadt sichtbar. Am Dienstag, 27. Oktober 2026, wurde sie in der FoyerGalerie BehindART im Stadthaus III eröffnet.

16 Künstler*innen zeigen Werke aus mehr als drei Jahrzehnten. Gemälde, Skulpturen und eine lebensgroße Gipsfigur geben Einblicke in unterschiedliche Ausdrucksformen und künstlerische Entwicklungen. Mappen mit Erinnerungen und Dokumentationen ergänzen die Ausstellung und erzählen von den Anfängen bis zur heutigen Arbeit.

Eröffnet wurde der Abend mit einer Begrüßungsrede von Dr. Erik Sparn-Wolf, Regionalgeschäftsführer Darmstadt des Paritätischen Hessen. Er würdigte die lange Geschichte der Sommerwerkstatt, in der Kunst aus dem Alltag heraus entstanden ist und weit über die Villa Luce hinaus ihren Weg gefunden hat. Den Rahmen für die Ausstellung bietet die inklusive Kunstinitiative BehindART, die im kommenden Jahr ihr 30-jähriges Jubiläum feiert.

Darmstadts Bürgermeisterin und BehindART-Schirmherrin Barbara Akdeniz betonte in ihrem Grußwort die Ausdruckskraft der ausgestellten Werke. Sie hob hervor, wie wichtig es sei, das Schaffen der Künstler*innen als Kunst anzuerkennen. Die Ausstellung erzähle von Menschen, Begegnungen und gemeinsamem Wachstum – und spiegele zugleich die gesellschaftliche Entwicklung der vergangenen Jahrzehnte wider.

Auch eine Gruppe von Klient*innen der Villa Luce war nach Darmstadt gekommen, um die Künstler*innen bei ihrer Ausstellung zu unterstützen und diesen besonderen Abend gemeinsam mit ihnen zu erleben.

Ein Ort, an dem Kreativität wachsen darf

Eva Keller-Welsch nahm die Gäste mit zurück ins Jahr 1993, als sie gemeinsam mit dem damaligen Vorstandsmitglied Christa Klose die Sommerwerkstatt gründete. Aus einer Idee entstand ein fester Raum für künstlerischen Ausdruck und gemeinsames Arbeiten. Noch heute sind Doris Schwager, Gerd Grünhagen, Rolf Trappen und Andrea Martin als Künstler*innen der ersten Stunde dabei.

Auch an Martin Herpel, Hedwig Wohlfahrt und Angela Dörr wurde erinnert. Sie gehörten zu den ersten kunstinteressierten Bewohner*innen und haben die Sommerwerkstatt mitgeprägt. Ihre Werke bleiben Teil dieser gemeinsamen Geschichte.

Über die Jahre wuchsen die Gruppe und ihre Möglichkeiten. Im Garten mit seinem besonderen Malbauwagen entstanden Begegnungen zwischen Kindern, Jugendlichen und Seniorinnen. Gemeinsame Workshops, Kunstfreizeiten und Kooperationen eröffneten neue Perspektiven. Die Zusammenarbeit mit der Hochschule Darmstadt führte die Künstlerinnen beispielsweise zum Malen und Ausstellen in die Hochschule und zum gemeinsamen Essen mit Studierenden in die Mensa. Werke der Sommerwerkstatt fanden ihren Weg bis nach Tokio.

Eva Keller-Welsch dankte den Menschen und Einrichtungen, die diese Entwicklung begleitet haben: dem Team der Villa Luce, langjährigen künstlerischen Wegbegleiter*innen wie Michael Jäck, BehindART sowie der Stadt Eschborn und unterstützenden Vereinen. Zum Abschluss ihres Rückblicks übergab sie symbolisch den Staffelstab an Asli Temiz, die die Sommerwerkstatt heute leitet.

Kunst macht Menschen sichtbar

Asli Temiz’ eigener Weg in die Sommerwerkstatt begann 2022 mit einem Praktikum. Aus der ersten beruflichen Begegnung wurde eine dauerhafte Verbundenheit. In ihrer Rede dankte sie Eva Keller-Welsch dafür, Menschen mit ihren Fähigkeiten wahrzunehmen und ihnen Raum für ihren eigenen Ausdruck zu geben.

Für Temiz ist Kunst auch ein Kommunikationsmittel: Sie eröffnet Dialoge und macht Menschen sichtbar – im Atelier ebenso wie in Ausstellungen und im öffentlichen Raum. „Kulturelle Teilhabe bedeutet nicht nur Zuschauer*innen zu sein, sondern selbst etwas zu gestalten, das andere Menschen erreicht“, beschrieb sie ihren Anspruch.

Wie verbindend Kunst sein kann, hatte sie erst kurz zuvor bei einem Austausch in Portugal gemeinsam mit Künstler*innen der Sommerwerkstatt erlebt. Begegnungen, ein gemeinsamer Kunstworkshop und die Gastfreundschaft vor Ort zeigten, wie die Arbeit der Gruppe auch über Ländergrenzen hinweg Verbindungen schafft.

Ihr besonderer Dank galt den Künstler*innen selbst. Denn ohne sie gäbe es keine Sommerwerkstatt, keine Kunst und keine Werke, die an diesem Abend bestaunt werden konnten.

Mit der eigenen Kunst unterwegs

Ein herzliches Dankeschön gilt auch Stuart & Friends. Mit dem neuen, von ihnen gespendeten barrierefreien Fahrzeug konnte die Gruppe gemeinsam zur Vernissage nach Darmstadt fahren. So gut sei man noch nie zu einer Vernissage gefahren, freute sich Eva Keller-Welsch.

Dabei war die Kunst bereits auf dem Weg zur Ausstellung präsent: Auch ein Motiv aus der Sommerwerkstatt schmückt das Fahrzeug. So begleitet die Kreativität der Künstler*innen den Wohnverbund Eschborn nun im Alltag und macht ihre Arbeit unterwegs sichtbar.

Ein besonderer Dank gilt Dagmar Berg, die die Vernissage mit ihren Klängen an der Handpan musikalisch bereicherte und dem Abend eine besondere Atmosphäre verlieh.

Der Stadt Darmstadt und BehindART danken wir herzlich für die ausgezeichnete Gastfreundschaft und den wertschätzenden Rahmen für unsere Künstler*innen. Türkische Häppchen und Sekt rundeten die Vernissage ab und boten Gelegenheit, miteinander ins Gespräch zu kommen, Erinnerungen zu teilen und die ausgestellten Werke gemeinsam zu betrachten.

Die Ausstellung lädt dazu ein, diese besondere Geschichte und die Menschen dahinter kennenzulernen – und zu entdecken, was über 33 Jahre entstehen kann, wenn Menschen Raum für ihre Ideen erhalten.

Die Ausstellung ist bis zum 19. März 2027 in der FoyerGalerie BehindART im Stadthaus III, Frankfurter Straße 71 in Darmstadt, zu sehen. Öffnungszeiten: Montag bis Donnerstag von 8 bis 16 Uhr, Freitag von 8 bis 13 Uhr. Der Veranstaltungsort ist für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen barrierefrei zugänglich.