Der besondere Blick: Künstlerinnen der Sommerwerkstatt bereichern Fotowettbewerb des Hofguts Oberfeld

18.09.2026

Ein Moment. Der Blick richtet sich durch den Sucher, die Kamera wird ausgerichtet, das Motiv fokussiert – und dann macht es leise „Klick“. Ein Foto ist entstanden.

Doch bevor der Auslöser gedrückt wird, braucht es vor allem eines: den besonderen Blick auf die Dinge.

Genau um diesen persönlichen Blick ging es beim Fotowettbewerb des Hofguts Oberfeld in Darmstadt. Anlässlich des 20-jährigen Jubiläums der Stiftung Hofgut Oberfeld waren Menschen dazu eingeladen, mit der Kamera festzuhalten, was sie mit diesem besonderen Ort verbinden.

Mit dabei waren auch zwei Künstlerinnen unserer Sommerwerkstatt Villa Luce: Andrea Martin und Heidemarie Giersch. Beide konnten mit ihren Fotografien die Fachjury überzeugen und gehören zu den zwölf ausgewählten Künstler*innen, deren Werke nun auf dem Hofgut zu sehen sind.

Das Hofgut Oberfeld ist für viele Menschen ein besonderer Ort. Landwirtschaft, Natur, Wohnen, Arbeiten, Bildung, Kultur und Inklusion kommen hier zusammen. Entsprechend unterschiedlich sind auch die Menschen, die das Gelände besuchen – und die Perspektiven, aus denen sie es wahrnehmen.

Aus diesem Gedanken entstand anlässlich des 20. Jubiläums die Idee für den Fotowettbewerb. Wie bei der Begrüßung zur Vernissage berichtet wurde, spielte dabei auch die zunehmende Bedeutung von Bildern in unserer Kommunikation eine Rolle: Mit Fotografien lassen sich nicht nur Momente festhalten, sondern auch Geschichten erzählen.

Um möglichst unterschiedliche fotografische Perspektiven sichtbar zu machen, wurde der Wettbewerb in drei Kategorien ausgeschrieben: „Mein Oberfeld“ für alle Fotobegeisterten, „Der professionelle Blick“ für Profi-Fotograf*innen und „Der originelle Blick“ für Menschen mit künstlerischem Assistenzbedarf.

Rund 80 Beiträge wurden für den Wettbewerb eingereicht. Eine Fachjury stand damit vor der schwierigen Aufgabe, zwölf Fotografien auszuwählen. Bei der Vernissage wurde deutlich, wie intensiv darüber diskutiert wurde: Welches Motiv spricht an? Welches berührt? Und welche Geschichte erzählt ein Bild?

Gerade darin liegt die Besonderheit des Wettbewerbs. Es geht nicht darum, ob jemand professionell fotografiert oder beim künstlerischen Arbeiten Assistenz erhält. Im Mittelpunkt stehen das entstandene Werk und der individuelle Blick der Künstler*innen.

Umso schöner war es für uns, dass gleich zwei Fotografien aus der Sommerwerkstatt Villa Luce von der Jury ausgewählt wurden.

Heidemarie Giersch ist mit ihrem Werk „Pferdegarderobe“ vertreten. Andrea Martin überzeugte die Jury mit ihrem Bild „Verträumter Sommergarten“.

Bei der Entstehung ihrer Fotografien wurden die beiden Künstlerinnen unter anderem von Asli Temiz aus der Sommerwerkstatt Villa Luce unterstützt.

Auch Heidi Schrickel-Benz von behindART war Teil der Fachjury. Als Künstlerin und Leiterin von behindART brachte sie insbesondere ihre Erfahrungen im Bereich der Kunst von Menschen mit Assistenzbedarf in die Auswahl ein.

Am Freitag, den 18. September 2026, war es dann so weit: Bei einer offenen Vernissage wurden die zwölf ausgewählten Bilder der Öffentlichkeit präsentiert. Natürlich ließen es sich Andrea Martin und Heidemarie Giersch nicht nehmen, ihre Werke selbst vor Ort zu präsentieren. Begleitet wurden sie von Eva Keller-Welsch.

Nach der Begrüßung ging es gemeinsam über das Gelände – denn die Ausstellung hat einen ganz besonderen Platz bekommen. Die Fotografien hängen nicht in einem klassischen Ausstellungsraum, sondern wurden großformatig an verschiedenen Fassaden und Orten auf dem Hofgut angebracht. So wurde das Gelände selbst zur Galerie und die Besucher*innen konnten die unterschiedlichen Perspektiven auf das Oberfeld genau dort entdecken, wo die Bilder entstanden sind.

Die zwölf ausgewählten Fotografien finden sich außerdem in einer eigens zum Jubiläum gestalteten Wandkalender-Edition wieder.

Einen besonders schönen Moment gab es bei der Vorstellung der ausgezeichneten Fotografien. Andrea Martin ergriff selbst das Wort und brachte auf den Punkt, wie viel Arbeit und Freude in den entstandenen Werken steckt:

„Wir haben uns alle sehr viel Mühe beim Fotografieren gegeben.“

Ein einfacher Satz, der gleichzeitig wunderbar beschreibt, was an diesem Wettbewerb so besonders war.

Denn Fotografie lebt von unterschiedlichen Perspektiven. Menschen sehen denselben Ort und entdecken dennoch ganz unterschiedliche Motive, Details und Geschichten. Der Fotowettbewerb des Hofguts Oberfeld hat diesen verschiedenen Blickwinkeln einen gemeinsamen Raum gegeben.

Wir freuen uns sehr, dass Andrea Martin und Heidemarie Giersch diesen Raum mit ihren Werken bereichern konnten und gratulieren beiden Künstlerinnen herzlich zu ihrer Auszeichnung.

Und vielleicht zeigt der Wettbewerb auch eines ganz besonders schön: Kunst braucht keinen einheitlichen Blick. Sie wird gerade durch die Vielfalt der Perspektiven interessant.